Forschung

Exposition bei Krankheitsängsten

Hintergrund

Krankheitsangst wird als Angst, ernsthaft krank zu sein, definiert. Alle Menschen sind mehr oder weniger von Krankheitssorgen betroffen. Bis zu einem Zehntel der Bevölkerung berichtet gelegentlich Krankheitsängste zu haben. Bei stark ausgeprägten Krankheitsängsten nehmen die Sorgen bzw. Ängste einen großen Raum im Leben der Betroffenen ein und schränken die Lebensqualität substantiell ein. 4 von 1000 Personen leiden aktuell in Deutschland unter stark ausgeprägten Krankheitsängsten.

Betroffene mit stark ausgeprägten Krankheitsängsten berichten gedanklich auf das Thema Krankheit „eingeengt“ zu sein. Zu den am häufigsten befürchteten Erkrankungen gehören Krebserkrankungen aber auch andere Erkrankungen, wie AIDS oder Alzheimer. Vorübergehende Sicherheit können Betroffene erlangen, wenn sie ihren Körper kontrollieren, im Internet nach „ungewöhnlichen“ körperlichen Symptomen recherchieren und Ärzte zur Rückversicherung aufsuchen. Gleichzeitig geben viele Patientinnen und Patienten mit stark ausgeprägten Krankheitsängsten an, die Auseinandersetzung mit ihren Krankheitsängsten zu vermeiden.

Exposition, also die bewusste Auseinandersetzung mit krankheitsbezogenen Informationen (z.B. Körpersensationen, Gedanken an Erkrankungen), ist ein wichtiger Baustein in der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung stark ausgeprägter Krankheitsängste. Die Wirksamkeit von Exposition bei stark ausgeprägten Krankheitsängsten wurde bereits mehrfach nachgewiesen (Olatunji et al., 2014; Weck, Neng, Richtberg, Jakob & Stangier, 2015). Dennoch besteht weiterhin die Notwendigkeit, expositionsbasierte Verfahren zu verbessern. Gleichzeitig ist immer noch recht wenig darüber bekannt, welche Mechanismen zu einem Erfolg der Exposition bei Krankheitsängsten beitragen.

Neuere theoretische Ansätze, wie die Inhibitory Learning Theory (Craske et al., 2008), haben zentrale Ergebnisse der Lern- und Gedächtnisforschung auf die Exposition übertragen. Daraus ergeben sich einige Implikationen für eine Veränderung und Verbesserung der aktuellen kognitiv-verhaltenstherapeutischen und expositionsbasierten Behandlung von stark ausgeprägten Krankheitsängsten.

Exposition, also die bewusste Auseinandersetzung mit krankheitsbezogenen Informationen (z.B. Körpersensationen, Gedanken an Erkrankungen), ist ein wichtiger Baustein in der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung stark ausgeprägter Krankheitsängste. Die Wirksamkeit von Exposition bei pathologischen Krankheitsängsten wurde bereits mehrfach nachgewiesen (Olatunji et al., 2014; Weck, Neng, Richtberg, Jakob & Stangier, 2015). Dennoch besteht weiterhin die Notwendigkeit, expositionsbasierte Verfahren zu verbessern. Gleichzeitig ist immer noch recht wenig darüber bekannt, welche Mechanismen zu einem Erfolg der Exposition bei Krankheitsängsten beitragen.

Neuere theoretische Ansätze, wie die Inhibitory Learning Theory (Craske et al., 2008), haben zentrale Ergebnisse der Lern- und Gedächtnisforschung auf die Exposition übertragen. In zwei Studien sollen diese Erkenntnisse auf die expositionsbasierte Behandlung von Krankheitsängsten angewendet und die Wirkmechanismen untersucht werden.

Studienvorstellung

In einer Pilot-Studie wird ein innovatives expositionsbasiertes Behandlungskonzept auf Basis der Inhibitory Learning Theory bei Personen mit stark ausgeprägten Krankheitsängsten angewendet. In zwölf Therapiesitzungen werden Patientinnen und Patienten ihr aufrechterhaltendes Verhalten abbauen, sich wiederholt mit verschiedenen krankheitsbezogenen Informationen konfrontieren und dabei ihre Befürchtungen überprüfen. Die Machbarkeit und Akzeptanz des Behandlungskonzepts soll untersucht werden.

Studiendauer: Januar 2020 – Mitte 2020

Studienleitung: Prof. Dr. Michael Witthöft, Jun.-Prof. Dr. Stefanie M. Jungmann, M.Sc. Karoline Sophie Sauer

Flyer: Flyer_BewältigungKrankheitsangst

 

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Emotionsregulation bei Somatischer Belastungsstörung

In den letzten Jahrzehnten hat das Forschungsfeld der Emotionsregulation zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Studien haben gezeigt, dass psychische Störungen häufig mit Veränderungen in der Emotionsregulation einhergehen (Aldao, Nolen-Hoeksema & Schweizer, 2010; Hu et al., 2014; Sheppes, Suri & Gross, 2015; Sloan et al., 2017), was jedoch für den Bereich der chronischen Körperbeschwerden weitestgehend unerforscht ist.
Tiefergehende Forschungserkenntnisse zu dem Zusammenhang zwischen somatischer Belastungsstörung und Emotionsregulation würden zur weiteren Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten bei diesem Störungsbild beitragen.
In einem quasi-experimentellen Design soll deshalb untersucht werden, ob sich Patienten mit somatischer Belastungsstörung von gesunden Teilnehmern hinsichtlich ihrer emotionalen Reaktivität, hinsichtlich der Fähigkeit, die beiden Emotionsregulationsstrategien Neubewertung und Unterdrückung anzuwenden, und hinsichtlich ihrer Auswahl von Emotionsregulationsstrategien unterscheiden. Hierzu werden neben Selbstbeurteilungsinstrumenten und verhaltensbezogenen Daten auch physiologische Maße wie Hautleitfähigkeit und Herzrate erfasst.

Studiendauer: Februar 2018 bis Februar 2020

Studienteam: Dipl.-Psych. Katharina Schnabel, Prof. Dr. Michael Witthöft (Leiter)

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iSOMA – Wirksamkeit einer Online-Intervention für belastende und anhaltende körperliche Beschwerden

Anhaltende, belastende körperliche Beschwerden sind das Hauptmerkmal einer Reihe von körperlichen oder psychischen Erkrankungen, z.B. der somatischen Belastungsstörung. Solche Beschwerden sind in der Allgemeinbevölkerung und verschiedenen Subpopulationen weit verbreitet, unter anderem auch bei Studierenden (Bailer et al., 2008). Betroffene finden jedoch selten den Weg in professionelle, psychosomatische Hilfsangebote, die sich als wirksam in der Symptom- und Belastungsreduktion gezeigt haben. Um Zugangsbarrieren und Versorgungslücken zu überbrücken, können Internet- und mobilbasierte Interventionen effizient und niedrigschwellig eingesetzt werden. Das Ziel dieser zweiarmigen, randomisiert kontrollierten Pilotstudie ist daher die erste Wirksamkeits- und Akzeptanzprüfung einer neu entwickelten, internetbasierten Intervention auf Basis einer wissenschaftlich evaluierten Kognitiven-Verhaltenstherapie (Kleinstäuber, Thomas, Witthöft & Hiller, 2018) für mindestens moderat ausgeprägte somatische Beschwerden in einer deutschlandweiten Stichprobe von Studierenden. Die Studie ist eingebettet in die Plattform www.studicare.com, welche weitere internetbasierte Gesundheitsinterventionen für Studierende beinhaltet. Die Teilnehmer sollen an mehreren deutschen Universitäten rekrutiert werden. Es wird erwartet, dass die achtwöchige Online-Intervention körperliche Beschwerden und assoziierte Belastungen gegenüber einer Wartelistenkontrollgruppe in bedeutsamen Maße positiv verändert.

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